Betrachtungen


Schon länger spiele ich mit dem Gedanken nach meiner zugegeben für Euch Steuerzahler sehr teuren Ausbildung damit ins Ausland zu gehen. Find ich unter dem Gesichtspunkt, dass da Kapital aus Deutschland weggeht, nicht so gut. Unter dem Gesichtspunkt dass sich da Kapital im Ausland für Deutschland aufbaut find ich es wieder gut.

Der geneigte Leser möge mich erklären lassen. Ich nehme das Beispiel der Chinesen. Die sagen ihren zugegeben vielen Menschen „Zou Chu Qu!“ was soviel heisst wie „Schwärmt aus!“. Die Chinesen haben etwas begriffen. Sie sind nicht isoliert auf der Welt und wer sich zusehr abschottet wird sich immer auf den hinteren Plätzen wiederfinden. Ein anderes Beispiel hierfür: Die DDR. Auch wenn für deren Scheitern eine Vielzahl von Faktoren schuldig war, einer war die Abschottung. Zurück zu den Chinesen. Diese schwärmen aus und kommen wieder. Manche nicht, aber die, welche zurückkommen und das ist ein großer Teil, bringen viele Anregungen mit. Das belebt den müden Haufen. Wie macht man es in Dänemark, auf Sizilien, in Australien, in Mexiko. Wenn also sich ein genügend großer Teil der ins Ausland gegangenen Chinesen entschliesst wieder nach China zurückzukommen, so ist es eine große Bereicherung für China. Die Wiederzuzügler bringen die Ideen der Welt zurück ins Lande der Mitte.

Nun habe ich nicht vor in China zu arbeiten, aber gerade die Skandinavier scheinen mir für Deutschland noch Lernstoff zu bieten. Und warum sollte ich nicht einige Jahre ausschwärmen um es später hier einmal besser machen zu können. Oder wenn es mir dort gefällt, dann ist es eben das Risiko für Deutschland. Dann kommen eben andere mit guten Ideen zurück. Und wer keinen von den anderen reinlässt, aus Angst vor Überfremdung und nur mit einem Jahresgehalt über 60.000 € ist in meinen Augen irgendwie selber schuld. Was soll das denn? Warum unseren Markt abschotten? Wir werden damit leben müssen, auch wenn es unbequem ist, dass wir heute mit allen Menschen der Erde unser Ding drehen. Und wenn es jemand besser kann als wir, soll er es machen. Wenn es jemand nur billiger kann, sollten wir uns an der eigenen Nase packen und uns fragen, ob wir wirklich langfristig etwas sparen, wenn wir das Fernostprodukt kaufen.

Hier kommen wir zu meiner Maxime: Tu das, was du für richtig erkannt hast.

Wenn das jeder täte, nur das, was er für richtig erkannt hat zu tun, so wären wir einen gewaltigen Schritt weiter.

…so der Slogan einer großen deutschen Firma. Doch ich schenke dem seit gestern keinen Glauben. Blubs, ich, saß qualmend in der Kneipe. Ich legte meine rauchende Zigarette vor mir in den stilistisch ansprechenden Aschenbecher ab und sah durch die Glasfront vor mir. Auf der Strasse sah ich eine junge Frau von etwa 20 Jahren. Diese trug eine graue Baumwoll-Sporthose und eine pinke Polyesterjacke mit grellgrünen Streifen. Das Blond ihres Haares war glanzlos, die Haare ungekämmt zusammengebunden. Das fahle Gesicht erhielt seine Farbtupfer durch dicke rote Pickel, die ihre eitrig-weissen Köpfchen aus den dicken Backen ihrer Wirtin herausreckten und den sonnigen Tag genossen. Diese Freude teilte die Trägerin der kleinen Frechdachse nicht. Ihre Haltung, die etwas zusammengefallen wirkte und ihr Gang, der alle Grazie und Leichtigkeit zu missen schien, die dieser sonnige Tag geradezu forderte, fehlten Ihr völlig. Sie war nicht fett, nicht einmal dick und doch ein wenig dicklich. Ihre Lippen warfen scharfe Schatten auf das Kinn, so sehr zog sie die Mundwinkel gen Boden. Doch eins passte nicht ganz in das Bild des wandelnden Unglücks:
Sie trug eine Tüte auf der stand „Müller“ mache „glücklich“.